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Geschichte des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, Tübingen

Abb. 1: Max-Planck-Institut für Virusforschung 1960.

Abb. 1: Max-Planck-Institut für Virusforschung 1960 (zum vergrößern klicken).

Das Max-Planck-Institut (MPI) für Entwicklungsbiologie entstand, als MPI für Virusforschung, 1954 aus einer Arbeitsgruppe für Virologie des bereits in Tübingen bestehenden Max-Planck-Institut für Biologie. Zunächst waren die Einrichtungen des MPI für Virusforschung in der Melanchthonstraße. Sechs Jahre später, 1960, zog das Institut in neue Gebäude in der Spemannstraße 35 um (Abb. 1).
Abb. 2: Max-Planck-Institut für Virusforschung 1964.

Abb. 2: Max-Planck-Institut für Virusforschung 1964 (zum vergrößern klicken).

Die ersten Direktoren waren Hans Friedrich-Freksa (Abteilung 1, Physikalische Biologie), Gerhard Schramm (Abteilung 2, Biochemie) und Werner Schäfer (Abteilung 3, Tier-Virologie). 1960 wurde Alfred Gierer zum Direktor der Abteilung 4, Molekularbiologie, berufen (Abb. 2).
Abb. 3  Max-Planck-Institut für Virusforschung und FML 1970.

Abb. 3 Max-Planck-Institut für Virusforschung und FML 1970 (zum vergrößern klicken).

Jede der vier Abteilungen hatte ein eigenes Gebäude, das jeweils mit einem gemeinsamen Trakt verbunden waren, der die Verwaltung, einen Seminarraum, eine Bibliothek und das Elektronenmikroskopielabor beherbergte. Das Institut hatte außerdem ein separates Gebäude für eine Werkstatt, Ställe für die Versuchstierhaltung sowie ein Gewächshaus (Abb. 3). Die Abteilung von Wolfgang Beermann vom Max-Planck-Institut für Biologie lag gegenüber in der Spemannstraße 34. 1962 wurde auf dem Campus in der Spemannstraße 36 ein Gästehaus, das Max-Planck-Haus, mit Hörsaal, Mensa und Bibliothek als gemeinsame Einrichtung für die Tübinger Max-Planck-Institute errichtet. Im Jahr 1968 kam schließlich am Ende der Spemannstraße das Max-Planck-Institut für Kybernetik hinzu. Während dieser Zeit umfassten die Forschungsgebiete am Max-Planck-Institut für Virusforschung Molekularbiologie des  genetischen Codes, sowie Untersuchungen der Struktur und Funktion von Tumorviren und des Tabakmosaikvirus.

1969 wurde das Friedrich-Miescher-Labor (FML) für selbstständige Nachwuchsgruppen gegründet und in einem Stockwerk eines neuen Gebäudes eingerichtet. Das FML hat bis heute diese Bestimmung beibehalten (Abb. 3).


Abb. 4:  Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie mit Fischhaus 1994.

Abb. 4: Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie mit Fischhaus 1994 (zum vergrößern klicken).

Nachdem Friedrich Bonhoeffer drei Jahre lang als Nachwuchsgruppenleiter am FML tätig war, wurde er als erster einer zweiten Generation von Direktoren 1972 zum Direktor der Abteilung 1 (Physikalische Biologie) berufen, und kurz darauf teilten sich Uli Schwarz (Abteilung 2, Biochemie) und Peter Hausen (Leiter einer neuen Abteilung 5, Zellbiologie) das Gebäude der Abteilung Biochemie. Der Fokus des Instituts änderte sich allmählich und dementsprechend wurde es 1984 in Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie umbenannt. 1981 kam Christiane Nüsslein-Volhard als Gruppenleiterin an das FML, sie wurde 1985 als Direktorin der Abteilung 3, Genetik, berufen. Sie erhielt 1995 für ihre bahnbrechenden Arbeiten über Musterbildung bei Drosophila den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie, gemeinsam mit Eric Wieschaus, mit dem sie am Europäischen Labor für Molekularbiologie EMBL in Heidelberg zusammengearbeitet hatte. Die neuen Forschungsgebiete des Instituts umfassten Entwicklungsbiologie von Hydra und dem Krallenfrosch Xenopus, Neuroembryologie am Hühnchen sowie Entwicklungsgenetik von Drosophila und Zebrafischen. Das Fischhaus wurde 1992 gebaut und ersetzte damit ein Hühnerfreigehege (Abb. 4). 
Abb. 5: Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie 2005.

Abb. 5: Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie 2005 (zum vergrößern klicken).

Nach der Emeritierung von Alfred Gierer und Friedrich Bonhoeffer begann eine dritte Generation von Direktoren, den Fokus des Instituts erneut  zu ändern. Ralf Sommer führte im Jahr 1999 als neuer Direktor der Abteilung 4 Evolutionsbiologie im Institut ein. Andrei Lupas fügte 2001  Strukturbiologie und Proteinevolution als Direktor der Abteilung 1 (Proteinevolution) hinzu. Ein paar Jahre zuvor, 1998, wurde das Max-Planck-Institut für Biologie geschlossen, aber eine Abteilung davon ging in das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie über. Detlef Weigel (Abteilung 6, Molekularbiologie) kam 2002 ans Institut, er brachte die Pfanzenbiologie an das Institut zurück, mit Schwerpunkt auf Pflanzenevolution. Elisa Izaurralde wurde 2005 als Direktorin für Abteilung 2 (Biochemie) berufen. Der Pflanzengenetiker Gerd Jürgens, Professor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, wurde 2008 als Direktor der Abteilung 5 (Zellbiologie) berufen, wobei er seine Professur an der Universität weiterführt.

Am Institut arbeiten jetzt zusätzlich zu den Gruppen in den Abteilungen fünf Max-Planck-Forschungsgruppen sowie zusätzlich einige selbstständige Juniorgruppen, die durch Drittmittel oder Institutsmittel finanziert werden. Die Abteilungen 1, 2, 3 und 5 sowie die Forschungsgruppen, die Mikroskopie- und Sequenzier-Einrichtungen, Unterrichtslabore, Seminarräume und die Verwaltung befinden sich im neuen, modernen Gebäude des MPIs für Entwicklungsbiologie, welches 2005 fertig gestellt wurde (Abb. 5). 
Es ersetzt sämtliche alten Gebäude, außer dem der Werkstatt und der ehemaligen Abteilung 4, das nun ein Gewächshaus ist. Die Abteilungen 4 und 6 teilen sich das FML-Gebäude mit den FML-Gruppen (Abb. 6).
Abb. 6: Tübinger Max-Planck-Campus im Herbst 2011.

Abb. 6: Tübinger Max-Planck-Campus im Herbst 2011 (click to enlarge).