Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar 2019 wird Christiane Nüsslein-Volhard verliehen

Christiane Nüsslein-Volhard

Die Jury hat sich für die Tübinger Entwicklungsbiologin entschieden

Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar wird 2019 an Christiane Nüsslein-Volhard verliehen. Diese Entscheidung traf die Jury unter dem Vorsitz von Bürgermeister Jan Trost zum Jahresende 2018. Die Tübinger Entwicklungsbiologin und studierte Biochemikerin entspräche mit ihrer Forschungshaltung dem Freiheitsgedanken Friedrich Schillers. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird am 10. November 2019, dem 260. Geburtstag Friedrich Schillers, in einem Festakt in der Stadthalle Schillerhöhe von Bürgermeister Jan Trost überreicht.

Das Lebenswerk von Frau Professor Christiane Nüsslein-Volhard gilt der Erforschung der genetischen Steuerung der Entwicklung der Eizelle und des Embryos der Taufliege Drosophila melanogaster. Zu ihren wichtigsten Entdeckungen gehören Gene, die die Entwicklung von Tier und Mensch steuern und von gestaltbildenden Gradienten im Fliegenembryo. Seit den 1990iger Jahren hat sich ihre Forschung auf einen Wirbeltierorganismus, den Zebrafisch Danio rerio, einem Modellorganismus der biomedizinischen Forschung, fokussiert. Ihr Buch „Das Werden des Lebens: Wie Gene die Entwicklung steuern“, das 2004 bei C. H. Beck, München erschienen ist, enthält einen kurzen Abriss der Geschichte der Biologie und erklärt die Grundlagen der Evolution, der Zell- und Entwicklungsbiologie und der Genetik in allgemein verständlicher Form. Ihre jüngste Forschung befasst sich mit der Entstehung von Farbmustern bei Tieren, insbesondere dem Zebrafisch. Dazu erschien vor kurzem ihr Buch: „Schönheit der Tiere. Evolution biologischer Ästhetik“, Verlag Matthes und Seitz, Berlin 2017.

Ein wichtiges Anliegen von Christiane Nüsslein-Volhard ist die Vermittlung der Entdeckungen auf den Gebieten der Gentechnik, sowie der Embryonen- und Stammzellforschung und deren Bedeutung für die Zukunft des Menschen. Diese Gedanken hat Frau Nüsslein-Volhard in einem kleinen Band "Von Genen und Embryonen" zusammengefasst (Reclam Verlag, 2004). Christiane Nüsslein-Volhard hat zu aktuellen Themen einige Zeitungsartikel geschrieben, die sehr viel Resonanz gefunden haben, u. a. zur grünen Gentechnik: "Genetik für Gourmets", Die Zeit 1998, und "Biolandbau mit Gentech-Pflanzen", Tagesspiegel 2016, zur Entzifferung des menschlichen Genoms: "Den Göttern gleich ich nicht", FAZ 2001, zuletzt zur Genom-Editierung beim Menschen "Grenzen der Menschheit" (FAZ vom 8.12.2018).

Christiane Nüsslein-Volhard lebt in Tübingen, wo sie von 1985 bis 2014 Direktorin der Abteilung Genetik des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie war. Sie leitet seither am selben Institut eine kleine Emeritus-Forschungsgruppe.

Ihre privaten Interessen sind Musik (Gesang, Flöte, Kammermusik), Literatur, Geschichte, Gartengestaltung. Sie hat ein Kochbuch geschrieben, das 2006 im Inselverlag erschienen ist. Sie ist Vorsitzende des Kuratoriums der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie e.V., Stuttgart.

 

Biografie von Christiane Nüsslein-Volhard

Geboren am 20. Oktober 1942 in Magdeburg. Studium der Biologie, Physik und Chemie in Frankfurt/M., Diplom in Biochemie Tübingen (1969), Promotion Univ. Tübingen (1973), Postdoc in Basel und Freiburg, Groupleader EMBL (1978-1981), Nachwuchsgruppenleiterin am Friedrich-Miescher-Laboratorium der MPG in Tübingen (1981-1984), Direktorin und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie (1985-2014). Seit 2014 Leiterin einer Emeritus-Arbeitsgruppe: Farbmusterbildung bei Fischen.

Für ihre Entdeckungen hat Christiane Nüsslein-Volhard zahlreiche Auszeichnungen, Ehrendoktorate und Preise erhalten, unter anderem den Leibnizpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1986), den Albert Lasker Medical Research Award (1991) und, gemeinsam mit Eric Wieschaus und Ed Lewis, den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie (1995). Sie ist Mitglied der Royal Society (England), der National Academy (USA), des Ordens pour le mérite (Deutschland), der Leopoldina (Deutschland), der Berlin-Brandenburgischen Akademie (Deutschland), der Kurie der Wissenschaft (Österreich) und der Académie des Sciences (Frankreich). Von 2001 bis 2006 gehörte sie dem Nationalen Ethikrat der Bundesregierung an. Sie war Präsidentin der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte (bis 2008) und 2005-2012 Mitglied des Scientific Council des European Research Councils (ERC) der Europäischen Union, seit 2013 ist sie Kanzlerin des Ordens Pour Le Mérite. 2004 gründete sie die Christiane Nüsslein-Volhard Stiftung zur Unterstützung junger Wissenschaftlerinnen mit Kindern.

 

Quellen:

https://www.eb.tuebingen.mpg.de/emeriti/research-group-colour-pattern-formation/

https://de.wikipedia.org/wiki/Christiane_N%C3%BCsslein-Volhard

https://www.youtube.com/watch?v=Idrh5lAWKuk

http://www.cnv-stiftung.de/

 

Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar
 

Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar wurde erstmals zum 200. Geburtstag Friedrich Schillers im Jahr 1959 verliehen. Bis zum Jahr 2007 wurde mit ihm alle zwei Jahre eine hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Landeskunde von Württemberg ausgezeichnet.

Anlässlich des Schillerjahres 2009 veränderte der Gemeinderat die Verleihungskriterien. Der Preis geht seither an Persönlichkeiten, die in ihrem Leben oder Wirken der Denktradition Friedrich Schillers verpflichtet sind. Besonders preiswürdig ist der Einsatz für einen ethisch verantwortbaren Freiheitsbegriff im Sinne des Dichters, sei es in der Politik, der Kunst, den Geistes- und Sozialwissenschaften oder den Naturwissenschaften. 2009 wurde erstmals nach den neuen Kriterien der Molekularbiologe und DDR-Bürgerrechtler Jens Reich ausgezeichnet, dem 2011 die französische Politikerin Simone Veil für ihre Verdienste um Europa folgte. 2013 erhielt die Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Rachel Salamander den Preis für ihr entscheidendes Mitwirken am Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Regisseurin Andrea Breth wurde 2015 für ihre herausragenden Inszenierungen der Schillerdramen Maria Stuart und Don Carlos ausgezeichnet. Zuletzt ging der Preis 2017 an den Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp, der als politisch und ästhetisch engagierte, weltweit überragende Figur der Kunstgeschichte gewürdigt wurde.

Mitglieder des Preisgerichts

Das Preisgericht besteht aus einem Kollegium von sieben Mitgliedern. Es setzt sich zusammen aus der Direktorin der Deutschen Schillergesellschaft, der Landeshistorikerin der Universität Tübingen, einem Vertreter der Philosophie, einem Vertreter der Theaterwissenschaften, einem Vertreter der Medizin und der Naturwissenschaften, einem Vertreter der Stiftung Weimarer Klassik und dem Bürgermeister der Stadt Marbach am Neckar als Vorsitzendem.