50 Jahre unabhängige Nachwuchsforschung

Das Friedrich-Miescher-Laboratorium feiert Jubiläum

Im Jahr 2019 fallen am Forschungsstandort Tübingen gleich zwei besondere Ereignisse zusammen. Vor 150 Jahren entdeckte Friederich Miescher am Tübinger Schloss die menschliche Erbsubstanz und revolutionierte damit die biologische Forschung. Zugleich wurde er Namenspatron für die Gründung des Friedrich-Miescher-Laboratoriums am Max-Planck-Campus im Jahr 1969. Tübingen wurde so gleich zweimal Keimzelle der biochemischen Grundlagenforschung und brachte große Namen und Nobelpreisträger hervor.

Zu den zentralen Herausforderungen in den späten 1960er Jahren gehörte die Feststellung, dass in Deutschland immer mehr Forscherinnen und Forscher das Land verließen, um im Ausland Karriere zu machen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wollte man Strukturen und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen, die denen im Ausland mindestens ebenbürtig waren.

Es sollte hierarchiefrei und thematisch ungebunden geforscht werden können und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten ihr fachliches Potential in selbstverwalteten Forschungsgruppen voll ausschöpfen können. Die frühen Erwartungen und Hoffnungen wurden schnell übertroffen.

Mittlerweile blickt das Laboratorium auf acht erfolgreiche Forschergenerationen und 34 Forschungsgruppen zurück. Unter ihren Mitgliedern befinden sich bekannte Namen wie Christiane Nüsslein-Volhard, die für ihre Forschung zur genetischen Steuerung der Embryonalentwicklung mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Einer der Gründungsväter des Instituts, Rolf Knippers, schuf ein Grundlagenbuch zur molekularen Genomik, das heute ein Standardwerk für Studierende weltweit ist.

Aktuell forschen Tür-an-Tür zu den Max-Planck-Instituten für Entwicklungsbiologie, biologische Kybernetik und Intelligenten Systemen vier internationale Forschungsgruppen am Friedrich-Miescher-Laboratorium, das von Andrei Lupas als geschäftsführenden Direktor vertreten wird. Modernste Ausstattung trifft auf unbändigen Forscherdrang der hier arbeitenden jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit gemeinsamen Projekten und Seminaren für eine lebendige Atmosphäre und intensiven Austausch sorgen.

Und neuer Nachwuchs steht schon in den Startlöchern: Zwei Programme zur Förderung von wissenschaftlichen Talenten ermöglichen gegenwärtig mehr als 100 Forschenden den Abschluss ihrer Doktorarbeit zu zentralen Fragen der Grundlagenarbeit in den Lebenswissenschaften. Die Internationale Max Planck Forschungsgruppe „Von Molekülen zu Organismen“ sowie das internationale Doktorandenprogramm in den biologischen Wissenschaften sorgen mit zahlreichen Karrieremöglichkeiten für eine stabile Zukunft und kontinuierlichen Ausbau am Forschungsstandort Tübingen.